Die
Erdkruste und der obere Mantel unter dem Vogtland und der angrenzenden
Region NW-Böhmen stellen aus geowissenschaftlicher Sicht etwas
Besonderes innerhalb der weltweiten Erdkruste dar.
Die Einmaligkeit besteht in den periodisch wiederkehrenden Schwarmbeben
und der nachweisbaren Kombination von seismischer Aktivität, tiefreichenden
Krustenstrukturen und Vulkanismus.
Obwohl diese Tatsachen seit langem bekannt sind, sind die Ursachen
dieses Krustenverhaltens bis heute ungeklärt.
Aber jetzt fanden Wissenschaftler eine ganz neue Erklärung
für die Schwarmbeben im Vogtland - eine aufsteigende Magmablase!
Unterhalb des Eger-Beckens an der deutsch-tschechischen
Grenze drängt Magma aus etwa dreißig Kilometer Tiefe
in Richtung Erdoberfläche.
Erdbebenmonitor
Aktuelle
Erdbeben der letzten Tage
Aus den Mofetten bei Franzensbad dringen Gasblasen an die Oberfläche,
die einen ungewöhnlich hohen Anteil an Helium 3 Isotopen haben. Nur
in Gegenden mit vulkanischer Aktivität ( aktive Vulkane wie z.B.
der Ätna) kann man solch hohe Konzentrationen messen.
Die Wissenschaftler vermuten deshalb eine Erklärung für die
Schwarmbeben gefunden zu haben - die aufsteigenden Gase und die Magma
könnten durch ihren Druck auf die Erdkruste Auslöser für
die regelmäßigen schwachen Erdbeben im Vogtland sein.
Bildquelle: Dr. Horst Neunhöfer, Institut für Geowissenschaften
Jena
Prinzip des Gasaustritts an
der Bublak Mofette bei
Novy Kostel im Egerbecken
Erdbebenanzahl pro
Stunde
im Vogtland bei den
Schwarmbeben im Jahr 2000
Die seismisch
aktiven Gebiete Deutschlands
in den
vergangenen
40 Jahren
Anzahl und Stärke der
Bebenschwärme im Vogtland
von 1900 bis 1999
Bei der Aufzeichnung der Beben von 1962 - 1995 ist deutlich der
starke Erdbebenschwarm von 1985/86 zu erkennen.
Das stärkste Beben hatte eine Magnitude von 4,6 !!!
Historisch sicher belegt sind Schwarmbeben
in der Region seit 1552. Der letzte große Schwarm ereignete
sich mit über 8000 (!) registrierten Beben 1985/86 innerhalb
von zwei Monaten. Die lokalen Magnituden erreichten den Wert Ml =
4.6. Damit gehört das Gebiet nicht nur wegen der absoluten Anzahl
von Beben, sondern auch wegen ihrer Stärke, neben dem Rheingraben
und der Schwäbischen Alb zu den bedeutendsten Erdbebengebieten
Deutschlands. Nach dem letzten großen Schwarm gab es im Abstand
von
2 bis 3 Jahren weitere, wenn auch kleinere Schwärme, mit teilweise
mehreren hundert bis tausend Ereignissen und maximalen Magnituden
Ml = 3.0.
Nach einer längeren Pause haben wir 2008 wieder einen
etwas stärkeren Erdbebenschwarm. Am 10.10.2008 gegen 10.08Uhr
war das bislang stärkste Beben des Schwarms mit einen Wert von
4,2. Das Zentrum des Bebens war in Tschechien ( Novy Kostelny ) unweit
der deutschen Grenze. Mal abwarten ob sich dieser Erdbebenschwarm
wieder über einige Monate hält.
Auch die Wissenschaftler sind überrascht von der Stärke
und Intensität der Beben, irgendwas ist diesmal anders...
14.10.2008 21.02Uhr M=4,0 Aktuell 28.10.2008 9.30Uhr M=3,8
------------------alle angegebenen Zeiten in den Erdbebenlisten sind
in UTC Zeit ! Bitte beachten MEZ = UTC+1h Sommerzeit +2h --------
Unter dem Vogtland und dem Egerbecken
brodelt ein Vulkan. Er ist noch nicht sichtbar aber die Wissenschaftler
haben seine Existenz an mehreren kleinen Quellen den Moffetten schon
längst bewiesen. Die Analyse der Gase zeigt: Der Vulkan ist über
die Jahre aktiver geworden. Der letzte aktive Vulkan in unserer Region
war der Kammerbühl bei Eger. Er ist der jüngste erloschene
Vulkan Mitteleuropas. Der Kammerbühl ist heute nur noch ein kleiner
bewaldeter Hügel und wenn man am Fuße nicht ab und zu einige
Lavastücke finden würde, könnte man ihn glatt übersehen.
Nur der verzierte Stolleneingang zeugt heute
noch von den emsigen Forschungen um der Entstehung des Kammerbühls.
Der Kammerbühl ist einVulkan, der durch
eine Eruption mit sog. strombolischer Aktivität entstanden
ist, bei der in verschiedenen Zeitintervallen bei gleichzeitigen
Gaseruptionen heiße Lava aus dem Krater ausgestoßen
wird. Durch die vorwiegend westliche Luftströmung sammelten
sich am östlichen Teils des Kraterschlunds in der Nähe
des heutigen Gipfels meterhohe Schichten von Vulkanschlacke ab.
Am Ende seiner aktiven Phase erkaltete die Lava im Schlot und
bildete den harten Basaltkern im inneren.
Seit dem Abend am 23. August 2011 ist wiedermal ein neuer Erdbebenschwarm bei Novy Kostel aktiv.
Bisher waren 3 Beben dabei mit einer Magnitude >2,5, das größte am 24.8. gegen 12 Uhr mit 3,2.
In den letzten Tagen wurden Hunderte Mikrobeben gemessen - es geht also wieder los.....